Endometriose und Intimität: Spüre dich wieder und finde Worte für deine Bedürfnisse
Eine aktuelle Studie hat mich zu diesem Beitrag inspiriert. Befragt wurden 84 Frauen mit bestätigter Endometriose in Jamaika. 80 Prozent berichteten über starke monatliche Beckenschmerzen. Auch Schlaf, Lebensqualität und Intimität spielten im Zusammenhang mit der Schmerzbelastung eine wichtige Rolle.
Als ich das gelesen habe, dachte ich: Darüber sollten wir viel öfter sprechen. Denn Endometriose betrifft oft nicht nur den Unterbauch. Sie kann auch verändern, wie du dich bewegst, schläfst, Nähe zulässt – und wie gut du dich selbst noch spürst.
Vielleicht kennst du das: Du möchtest Nähe zulassen, aber dein Körper spannt sich an. Vielleicht merkst du erst spät, dass etwas unangenehm wird. Oder du weißt genau, was du nicht möchtest, findest aber im entscheidenden Moment nicht die passenden Worte.
Dann geht es nicht nur um die Frage „Wie stark sind die Schmerzen?“. Vielleicht helfen auch diese Fragen: Wie schläfst du? Was fühlt sich gerade gut an? Kannst du sagen: „langsamer“, „anders“, „Stopp“ oder „genau so weiter“? Und spürst du überhaupt, was du brauchst?
Die Studie beschreibt Erfahrungen und Zusammenhänge. Sie hat keine Behandlung untersucht und kann deshalb nicht sagen, welche Methode hilft oder wodurch die Beschwerden entstehen. Trotzdem öffnet sie den Blick für etwas, das im Alltag leicht untergeht: Schmerz kann viele Lebensbereiche berühren.
Können Steißbeinschmerzen mit Endometriose zusammenhängen?
Vielleicht kennst du auch Schmerzen rund um das Steißbein. Sie können bei manchen Menschen Teil eines größeren Beschwerdebildes im Becken sein. Das bedeutet aber nicht, dass Steißbeinschmerzen automatisch von Endometriose kommen. Mögliche Ursachen gibt es viele – etwa einen Sturz, eine Geburt, langes Sitzen oder eine erhöhte Spannung der Beckenbodenmuskulatur.
Der Beckenboden ist mit dem Steißbein verbunden. Wenn Schmerzen länger anhalten, kann sich die Muskulatur schützend anspannen. Auch das Nervensystem kann empfindlicher auf Reize reagieren. Dann können Beschwerden im Becken, am Damm oder rund um das Steißbein spürbar werden. Das ist eine mögliche Erklärung, aber keine Diagnose.
Wenn deine Steißbeinschmerzen gemeinsam mit starken Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex oder beim Stuhlgang auftreten – oder sich im Zyklus deutlich verändern –, sprich das bei deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen an. Wiederkehrende oder starke Schmerzen verdienen eine gute Abklärung.
Körperwahrnehmung und Beckenboden: Was kann unterstützend sein?
Bei anhaltenden Schmerzen ist es manchmal gar nicht so leicht, Spannung und Entspannung auseinanderzuhalten. Vielleicht hält dein Körper unbewusst fest, obwohl du eigentlich loslassen möchtest. Oder du bemerkst erst spät, dass dir etwas zu viel wird.
Körperorientierte Arbeit kann einen Raum bieten, solche Empfindungen bewusster zu erkunden. Beim inBODYBREATHWORK® verbinden wir angeleitete Atmung mit Bewegung und Körperwahrnehmung. Beim Ausatmen kannst du Bauch und Beckenboden bewusst aktivieren; beim Einatmen darf wieder Weite entstehen. So kannst du in deinem Tempo den Wechsel zwischen Aktivität und Loslassen erforschen.
Vielleicht hilft dir das, Spannung und mögliche Schutzmuster früher wahrzunehmen. Vielleicht wird klarer, was sich angenehm anfühlt – und was nicht. Und vielleicht findest du leichter Worte für deine Bedürfnisse. Wie du die Praxis erlebst, ist ganz individuell: Manche Menschen nehmen ihren Körper danach deutlicher wahr oder empfinden mehr Ruhe; andere bemerken zunächst ungewohnte Empfindungen. Es gibt kein bestimmtes Ergebnis, das du erreichen musst. Pausen sind jederzeit möglich.
Wichtig ist mir eine klare Einordnung: Es ist nicht belegt, dass inBODYBREATHWORK® Endometrioseherde oder Verwachsungen verändert oder gelöst werden. Auch eine spezifische Wirkung auf Endometriose durch verbesserte Durchblutung oder Sauerstoffversorgung ist nicht nachgewiesen. inBODYBREATHWORK® ist eine ergänzende Körper- und Atemarbeit – keine Behandlung der Erkrankung.
Nähe beginnt damit, dich selbst zu spüren
Wenn Schmerzen oder die Angst vor Schmerzen dazugehören, kann Intimität kompliziert werden. Vielleicht hältst du etwas aus, obwohl es sich nicht mehr gut anfühlt. Vielleicht möchtest du „Stopp“ sagen, aber es kommt nicht über deine Lippen.
Die eigenen Bedürfnisse auszusprechen beginnt oft damit, sie selbst wahrzunehmen: Was spüre ich gerade? Was tut mir gut? Was möchte ich anders haben? Das klingt einfach, kann aber Übung brauchen – und du musst damit nicht allein sein.
Bei Endometriose und anhaltenden Beckenschmerzen ist eine Versorgung wichtig, die zu deinen Beschwerden passt. Dazu können je nach Situation gynäkologische Abklärung und Behandlung sowie physiotherapeutische, psychotherapeutische oder andere unterstützende Angebote gehören.
Häufige Fragen zu Endometriose und Steißbeinschmerzen
Sind Steißbeinschmerzen ein Anzeichen für Endometriose?
Nicht unbedingt. Steißbeinschmerzen können viele Ursachen haben. Wenn sie zusammen mit starken Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex oder beim Stuhlgang auftreten, ist eine gynäkologische Abklärung sinnvoll.
Kann inBODYBREATHWORK® Endometriose behandeln oder Verwachsungen lösen?
Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis. Die Methode ist eine ergänzende Körper- und Atemarbeit und ersetzt keine medizinische oder physiotherapeutische Behandlung.
Warum können Endometriose und Intimität miteinander verbunden sein?
Die Studie, die diesen Beitrag angeregt hat, beschreibt Zusammenhänge zwischen Schmerzbelastung, Lebensqualität, Schlaf und Intimität. Sie zeigt nicht, wodurch diese Zusammenhänge entstehen oder welche Behandlung hilft. Das Erleben ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Bei akuten, starken oder ungeklärten Beschwerden lass bitte fachlich abklären, was dahintersteckt. Intensive Atemarbeit ist nicht für alle Menschen geeignet; gesundheitliche Kontraindikationen sollten vorher berücksichtigt werden.
Maria Victoria
Liebe geht raus 🤍
Die Studie, die mich zu diesem Beitrag inspiriert hat: Frith et al., „Impact of severe chronic pelvic pain of endometriosis on sleep and intimacy…“ (2026)